Unsere Einstellung zu Orten und Gebäuden

 

Die Qualität eines Ortes und seiner Gebäude zeichnen sich dadurch aus, dass die Geschichte ablesbar ist und dass die Gebäude eine Nutzung haben. Um die Sache provokant zu formulieren, ein Gebäude an dem die Spuren der Zeit nicht ablesbar sind - ist geschichtslos und ein Gebäude ohne Nutzung - ist nutzlos. Nur Ruinen sind sich selbst genug, der morbide Charme des Verfalls zeichnet sie aus - auch der wird mittlerweile gestoppt, konserviert und manchmal wird eine Ruine rekonstruiert - das sind die perfidesten Auswüchse eines falsch verstandenen Denkmalschutzes.

 

Nutzungsanpassungen in den Städten und an den Gebäuden haben Spuren hinterlassen. Wer die Spuren lesen kann, erfährt etwas über die Geschichte des Ortes und über seine Bewohner.

 

Die Veränderungen an Gebäuden sollten den historischen Gegebenheiten Rechnung tragen. Die Architektursprache der Zeit, in der das Bauwerk errichtet wurde bzw. es einer neuen Nutzung angepasst wurde, müssen nachvollzogen werden können. Veränderungen am Stadtbild und an den Häusern müssen kenntlich sein, um die Veränderung in ihrer Modernität und Formensprache zu dokumentieren.

 

Jede Zeit, vom Altertum bis zur Moderne, hat eigene Stilrichtungen hervorgebracht, die ein Spiegel der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gegebenheiten sind. Architektur ist somit zu Stein gewordene Geschichte.

 

Wenn nicht der Zeit entsprechend gebaut wird, wird Stadt- und Baugeschichte verklärt!

 

Keine Verklärung, wie im Historismus, keine Nachbildung und keine falsche Rekonstruktion, sondern Erhaltung und ablesbare Erneuerung, um Zeitzeugen zu erhalten und zu schaffen. Niemand kommt heute mehr auf die Idee fehlende Teile eines Kunstwerkes zu rekonstruieren, sondern Fehlstellen werden bewusst vom authentischen Teil abgesetzt; nur in der Architektur, weil öffentlich, wird fast volkstümlich die Rekonstruktion gefordert. Imitate und Repliken sind der Ideenlosigkeit geschuldet, weil der Horizont begrenzt ist.

 

Die technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen des Bauens haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Neue Materialien, die industriell vorgefertigt werden, bestimmen die Architektur. Weiterhin haben die vielen Gesetze, Vorschriften und Normen großen Einfluss auf alle Bauwerke. Das vom Gesetzgeber geforderte energieeffiziente Bauen hat einen starken Einfluss auf die Altbestände und damit auch auf Baudenkmale.

 

Die Kunst der Architektur besteht darin, eine Sprache zu finden, die Anforderung und Nutzung mit der geschichtlichen Bausubstanz verbindet, um diese zu erhalten.

 

Die Herausforderung zwischen Erhaltung, Sanierung, Wiederherstellung und Ergänzung muss richtig interpretiert und umgesetzt werden. Die ergänzende Erneuerung muss mit dem Bestand einen Dialog eingehen und sich mit unserem heutigen Architekturverständnis und seiner Formensprache einfügen und präsentieren, um die authentische Geschichte nicht zu fälschen.

 

Ob die heutige Architektursprache und der Umgang mit historischen Orten und Bauten richtig sind, wird die Zukunft zeigen, wenn unsere Zeit vergangen und in der Rückschau betrachtet wird. Neue, moderne Architektur wird von vielen nicht angenommen, oft nur von Fachkundigen, weil das Verstehen nicht verständlich vermittelt wird.

 

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